Klärus und die Die Blaue Blume

...nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte der Jüngling zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken. [Novalis]

Montag, 31. Mai 2010

Klärus und die Endlichkeit - III




Als Klärus vergangenen Samstag in der Früh erwacht, ist er total gerädert. Beim Versuch aufstehen zu wollte, versagen ihm die Beine. In ihm ist keine Kraft mehr. Für Klara ist klar – ihrem Klärus geht es schlecht. Sehr schlecht. Da es Wochenende ist, ist Krankenhaus angesagt. Doch sie kann den Klärus nicht alleine in den bereitgestellten Rollstuhl setzen. Plötzlich steht die Stete-Begleiterin von Klärus im Zimmer. So genannt zufällig will sie mal nachsehen, wie es den Beiden wohl so geht.

Die „Stete Begleiterin“ von Klärus, ist eine gemeinsame Freundin von Klara und ihm. Es ist die Begleiterin, welche mehr als zwei Jahrzehnte alle spirituellen Erfahrungen mit Klärus teilte und mit ihm an allen Veranstaltungen teilnahm. Es war ein ständiger Austausch über diese Erfahrungen gegeben. Klärus hatte schon immer den Wunsch, Menschen, die er lieb hat, mit ein zu beziehen in seine Erfahrungswelt und den Wunsch, alles Schöne mit ihnen zu teilen. Besonders wenn er sieht, dass die einen Leidensweg gehen. Seit Klärus sie kannte, litt die Stete Begleiterin unter schwerer Traurigkeit bis zu der Zeit, als beide in der Bruderschwesternschaft waren. Dort hatte sie durch den Schlichten Diener Heilung von der schweren Traurigkeit erfahren. (siehe: Hinterm Horizont)

Was die Stete Begleiterin nun vorfindet, ist alles andere als erfreulich. Gemeinsam können sie nun mit viel Kraftaufwand den Klärus in den Rollstuhl setzen und ihn zum Auto transportieren. Dort ist es nochmals schwierig, den Klärus, der wie ein nasser Sack an der Klara hängt, auf den Autositz zu bugsieren. In der Notaufnahme müssen sie längere Zeit warten. Als sie schließlich auf die Intensivstation geführt werden, wird Klärus sofort entkleidet, krankenhausmäßig gewandet und an tausend Schläuche angeschlossen. Klärus läßt alles teilnahmslos geschehen. Irgendwie ist er froh, endlich in ärztlicher Obhut zu sein. Auch hat er so ein Gefühl, dass nun alles vorbei sei. Und das ist kein schlechtes Gefühl.

Er liegt da, von oben kommt eine Gesichtsmaske auf ihn zu und ohne einen Gedanken aufkommen zu lassen, lässt er einfach geschehen. Die Maske wird fest auf seinem Gesicht fixiert und er merkt noch, wie sein Kopf zur Seite fällt und von da ab weiß er nichts mehr.

„Ich grüße dich, mein innig geliebter Erdensohn.
Ich, der Große Geist grüße dein Selbst im Licht der allumfassenden Liebe.
Ewig durchströmt, ewig segnend.
Der du da selbst Ausdruck bist.
Höchstes Licht, du Quelle aller Kraft
Deren Strahlen alle Welten durchlichtet
Erleuchte auch dein Herz
So, dass es das Werk der Liebe tun kann“.


Wie kann Klärus jetzt noch „Werke“ tun? Nichts weiß er, was um ihn geschieht. Nichts weiß er nach dem Erwachen, wie wundersam die Hilfen aus der geistigen Welt ihm zuteil wurden.

„Niemals, mein Sohn, bist, noch warst du allein, als Einzelner.
Denn die Verbundenheit ist tief in dir verwurzelt“.


* * *

Klärus ist wach. Zumindest muss es so etwas wie ein Wachsein sein, aber um ihn herum ist nur Schwarz. Ein undurchdringliches Schwarz. Ein Schwarz, welches Angst aufkommen lässt. Angst – eine menschliche Regung.
Diese Angst paart sich mit einer aufkommenden Sehnsucht.
Der Sehnsucht nach einem Sonnenaufgang.
Noch nie hatte Klärus eine so starke Sehnsucht nach einem Sonnenaufgang.
In weiter Ferne ein kleines Licht, das näher kommt. Aber nicht sehr weit. Als kleines viereckiges Bild sieht Klärus eine weite Ebene, an deren Horizont die Sonne aufgeht.
Der Rest um dieses kleine Bild ist dieses undurchdringliche stete Schwarz, in dem sich Klärus nun befindet.
Für Klärus kommt die erschreckende Erkenntnis, dass es so etwas wie einen Sonnenaufgang nicht gibt und wenn es keinen Sonnenaufgang gibt, dann gibt es auch keinen Sonnenuntergang, keine Nacht und kein Tag, der auf die Nacht folgt, keinen errettenden Tag, der die menschliche Seele befreit von der vergangenen Nacht. Panik kommt auf bei Klärus. Er nimmt ein zischendes zyklisches Geräusch wahr und in ihm wächst die Erkenntnis, dass es das noch nie gab, so etwas wie einen befreienden Sonnenaufgang. Dass es so etwas auch nie geben wird.
Mit aller Macht klammert er sich an diese Sehnsucht, an seinen unbändigen Willen, das erleben zu wollen, das mit der Regelmäßigkeit eines befreienden Sonnenaufganges. Nichts Wichtigeres gibt es in diesem Moment als einen Sonnenaufgang.
Klärus wacht auf und spürt die verrutschte Maske, welche ihre lauten Geräusche von sich gibt. Die Schwärze verschwindet. Rudimentär nimmt er die Umgebung der Intensivstation wahr und das ist so was von befreiend. Klärus sieht einen Engel neben seinem Bett stehen, der mit beruhigenden Worten sein Gesicht abwischt. Es ist die junge Nachtschwester, die Klärus ins „Leben“ zurückgeholt hat.
Und Klärus ist dankbar – einfach nur dankbar.

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